Das Sommermärchen 2006

Bei dieser Überschrift denkt Ottonormalverbraucher zuerst an die Fußballheim – WM, bei der wir tragischerweise gegen den späteren Weltmeister Italien im Halbfinale ausschieden und uns immerhin noch Platz 3 erkämpfen konnten. Doch es wäre kein Text für diese Seite ohne meteorologische Ausarbeitung.

Die Ausgangslage war eines der stärksten Schmelzhochwasser der Neuzeit, nachdem es im März nochmals kräftig schneite. Der Scheitelpunkt der Elbe lag am 4.4. bei 7,49 m (AS 4). Und im Unterlauf der Elbe wurden höhere Schäden verursacht als bei der Jahrhundertflut 2002. Von der großräumigen Schneeschmelze versorgte sich die Natur bis in den Juni mit Wasser. Doch die Oberböden (0 – 40 cm) zeigten bereits Anfang Mai eine starke Austrocknung und die Pegel der Elbzuflüsse unterschritten die Grenze des Niedrigwassers. Bis Mitte Juni sank nun auch in der der Schicht bis – 100 cm die nutzbare Feldkapazität auf < 30 %. Mitte Juni wurden unter Britischen und mitteleuropäischen Hochs auch die Ersten Tropentage gemessen, sowie gehäuft Gewitter um den 20.

Im Juli trocknete die Luft sich die Luft jedoch aus und Niederschlag fiel selten und nicht in großen Mengen. Das Hoch „Axel“, später „Bruno“ und ab 20. „Daniel“ schirmten Sachsen von feuchter Luft quasi ab. Obwohl an manchen Orten an jedem Tag ein Sommertag verbucht wurde, lag der Taupunkt lediglich gelegentlich im schwülen Bereich (> 15 °C). Die Böden waren nun völlig ausgetrocknet und selbst auf im Obererzgebirge verdorrte das Gras. Die Talsperren meldeten vermehrt Blaualgen. Der Dresdner Elbpegel meldete 80 cm und weniger. Nur die Flutrinne verhinderte das Wandern zur anderer Elbseite. Die Zuflüsse der Elbe führten für mehrere Wochen nur noch wenige Prozent der gewöhnlichen Abflusses. Die Monatsstatistik zeigt eine bis heute währende Einzigartigkeit. Zum einen war es der 1. Monat überhaupt mit 31 Sommertagen (u. a. Dresdner Elbtalweitung). Außerdem war es der wärmste, trockenste und sonnigste Juli der modernen Meteorologie. Erstaunlicherweise geriet dieser Juli bis heute weitestgehend in Vergessenheit und steht im Schatten der Sommer 2003, 2018 & 2019.

Genau mit dem Monatswechsel schwenkte das Wetter auf kalt und nass – meist aus NW. Innerhalb kurzer Zeit grünte die Natur wieder auf, Pilze wuchsen in Massen. Die Fließgewässer erholten sich allerdings erst im kommenden Winter. Kein Tropentag wurde gemessen. Stärker hätte der Kontrast nicht sein können – dachte man.

Denn der Sommer erlebte im September eine Renaissance. Wetterlagen mit meist SW bis S-Wind konterten die Regenfronten nachhaltig: „Hermann“ über Südosteuropa, „Ismail“ über Mitteleuropa, „Klaus“ über Südwest- und später Mitteleuropa. Der September war schlussendlich wärmer als der August, trockener und die Sonne schien fast doppelt so lang!

Die Wetterübersicht vom Juni

Quelle: Daten auf DWD-Basis

Im Juni zeigte sich der Leipziger Raum mit um die 30 mm als trockenste Region. Wohingegen Mittel- und Ostsachsen die wärmste Region darstellten. Obwohl es um Görlitz den meisten Niederschlag der ausgewerteten Stationen gab (46,6 mm) ermöglichte die trockene Luft nur 3 Gewitter. Alle Stationen gaben Monatsmittel mit > 1,0 °C vom Klimamittel an, zudem unter 80 % Niederschlag in Verbindung von min. 120 % Sonnenstunden.

Die Wetterübersicht vom Juli

Quelle: Daten auf DWD-Basis

Im Juli spitzte sich das West-Ost-Gefälle beim Niederschlag stark zu: In Westsachsen immerhin noch ca. 40 mm, im Rest (ausgenommen Erzgebirge) < 10 mm. Daher waren die Flusssystem Mulde und Weiße Elster nicht so stark vom Niedrigwasser betroffen. Alle Stationen wichen um 5 °C oder mehr vom Klimamittel ab. Dabei war die Dresdner Elbtalweitung die Hitzehochburg (23,5 °C). Die Sonne schien ca. 50 % über Plan und der Niederschlag lag verbreitet unter dem 30. Perzentil.

Die Wetterübersicht vom August

Quelle: Daten auf DWD-Basis

Gänzlich ohne Tropen- und mit nur wenigen Sommertagen war der August der einzige Monat mit zu kühler Witterung. Die Abweichung lag mit -1,5 bis -2,0 °C jedoch im Rahmen. Der starke Gegensatz zum Vormonat stellte jedoch für manchen eine kleine Eiszeit dar. Aber aufgrund hoher Taupunkte war die gefühlte Temperatur durchaus Augustüblich. Das Niederschlagsbild ist hier nicht ganz so grob zu beschreiben. Nordsachsen lag mit ca. 60 mm im Soll. Chemnitz – beeinflusst vom Erzgebirgsstau – sammelte 145,3 mm im Hellmann. Eine Troglage führte um Görlitz zu rund 130 mm. Hier wurden aber weniger Gewitter beobachtet als um Leipzig. Mit 118,7 h schien die Sonne im Elbtal am seltensten.

Die Wetterübersicht vom Sommer

Quelle: Daten auf DWD-Basis

Der meteorologische Sommer stach nur mit seiner hohen Anzahl an Tropentagen und dem geringen Niederschlag im tiefliegenden Nordens, sowie des Elbtals heraus. Das Temperaturmittel der 3 Monate lag ca. 1 °C über der Norm. Die Sommertage entsprachen dem Mittel und mit dem Wechsel in den meteorologischen Herbst hat sich die hydrologische Lage normalisiert und die Natur konnte ungehindert ihrer Photosynthese nachgehen.

Die Wetterübersicht vom September

Quelle: Daten auf DWD-Basis

Aufgrund eines kühlenden Ostseehochs „Hoch Jürgen“ betrug die Temperatur in Görlitz gemittelt 16,9 °C und stellt den geringsten Wert im Vergleich dar. Die wärmste Region war der Großraum Leipzig/Dresden mit 18,0 °C und leicht geringeren Wert. Alle Stationen waren um über 3 °C zu warm. Besonders der Standort Leipzig konnte mit 13 Sommertagen einen sehr hohen Septemberwert verbuchen. Alle Standorten registrierten mehr Sonnenstunden als im August und mehr als 150 %.

Als Ausklang noch ein Kommentar, der in den letzten Jahren bestenfalls als Fußnote gewertet wird. Das südhemisphärische Jahr (01.07.2006 – 30.06.2007) in Sachsen zählt bis heute mit 12 °C im Tiefland als das mit Abstand wärmste Jahr.

Veröffentlicht von sw

Gebürtiger Dresdner, seit der Kindheit Wetterbeobachter, seit 2011 Erfahrung beim DWD, seit 2012 professionelle Wetteraufzeichnung auf hauseigenem Grundstück, 2014 Gründungsmitglied Wettererein Zinnwald-Georgenfeld, seit 2010 Auswertung weltweiter Klimadaten und Erstellung Weltklimaatlas.

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